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ABB trainiert Roboter mit Prothesendaten

Um die Greiffähigkeit und Geschicklichkeit von Robotern weiterzuentwickeln, arbeitet ABB Robotics mit dem kalifornischen Bionik-Unternehmen Psyonic zusammen. Im Projekt kombinieren die Partner die Psyonic-Ability-Hand mit dem kollaborativen Roboter GoFa von ABB Robotics. Es soll untersucht werden, wie Daten aus der Nutzung von Prothesen dabei helfen können, Roboter für anspruchsvolle und wechselnde Aufgaben zu trainieren, die bisher kaum automatisierbar sind.

Greifen und Geschicklichkeit stehen im Mittelpunkt von Autonomous Versatile Robotics (AVR). Dabei handelt es sich um einen neuen Ansatz von ABB Robotics für Roboter, die in dynamischen Umgebungen Objekte wahrnehmen, analysieren, bewegen und präzise handhaben sollen. AVR soll die Entwicklung physischer KI in der Industrie maßgeblich beschleunigen – hin zu Robotersystemen, die aus realen Interaktionen lernen und dieses Wissen zuverlässig im industriellen Umfeld anwenden.

„Die menschliche Geschicklichkeit und das intuitive Verständnis im Umgang mit verschiedenen Objekten zählen zu den größten Herausforderungen in der Industrierobotik. Zugleich sind sie eine grundlegende Voraussetzung für wirklich autonome und vielseitige Roboter“, sagt Marc Segura, President von ABB Robotics. „Während wir die nächste Generation physischer KI entwickeln, werden Roboter die Welt so lernen und verstehen wie wir.“

Durch die Nutzung von Daten aus der menschlichen Prothesenanwendung treibt ABB Robotics physische KI voran. Bild: ABB Robotics

Prothese generiert Daten für Roboter

Die Psyonic-Ability-Hand wurde laut dem Unternehmen ursprünglich für den Einsatz in der Prothetik entwickelt. Nach Angaben von Psyonic vereint sie myoelektrische Steuerung, Tastsensorik und nachgiebige Mechanik in einem leichten, mehrgliedrigen Design. Ihre Drucksensoren und ihr Schwingungsrückmeldesystem sollen es Anwendern ermöglichen, Kontakt, Greifkraft und das Lösen eines Griffs zu erkennen, während sich die flexiblen Finger natürlich an unregelmäßige und verformbare Objekte anpassen.

„Geschicktes Greifen ist letztlich ebenso eine Frage der Daten wie der Hardware“, so Dr. Aadeel Akhtar, Gründer und CEO von Psyonic. „Indem wir dieselbe Ability-Hand sowohl bei Menschen als auch bei Robotern einsetzen, können wir hochpräzise reale Daten zu Bewegung, Kontakt und Greifkraft erfassen und diese nutzen, um Roboter effektiver zu trainieren.“ GoFa von ABB Robotics soll die für den industriellen Einsatz erforderliche Präzision und Wiederholgenauigkeit bieten. Feine Variationen bei Greifkraft, Fingerpositionierung und Bewegung sollen sich so konsistent ausführen und auswerten lassen.

Erforschung industrieller Anwendungen

Gemeinsam untersuchen die beiden Partner, wie sich der neue Ansatz in industriellen Anwendungen einsetzen lässt, bei denen herkömmliche Greiftechnologien nicht die notwendige Variabilität, Empfindlichkeit oder Komplexität erreichen. Etwa bei der Handhabung unregelmäßiger oder empfindlicher Objekte. Laut der International Federation of Robotics (IFR) sollen fortschrittliche Greiftechnologien und digitale Integration die Entwicklungszeit um bis zu 30 % verkürzen können.

Mit der Kooperation wollen die Partner nach eigenen Angaben neue Anwendungsmöglichkeiten in verschiedenen Branchen erschließen, darunter die Automobilindustrie, Luft- und Raumfahrt, Verpackung und Logistik sowie Biowissenschaften. Roboter sollen Aufgaben übernehmen, die repetitiv, ergonomisch belastend oder in großem Maßstab nur schwer konsistent auszuführen sind, die Zusammenarbeit mit Menschen verbessern und gleichzeitig Produktivität, Flexibilität und Arbeitssicherheit steigern.

 

Quelle und Bild: www.abb.de/robotics