Technikforum

KADIA Produktion GmbH: Maximale Transparenz beim Honen

Honen auf das µ genau – das ist das Metier der KADIA Produktion GmbH. Das Nürtinger Unternehmen stattet daher seine Honmaschinen mit Komponenten aus, die in Sachen Präzision und Performance das technisch Machbare repräsentieren. Dazu gehören neben Honspindeln mit Linearantrieben, hochgenauer Messtechnik und zuverlässigen Automationssystemen auch die flexible Maschinensteuerung HMC100.

Honen ist eine komplexe Bearbeitung, fast immer reihen sich zwei oder mehr Arbeitsgänge aneinander, vom Vorhonen bis zum Fertighonen. Die einzelnen Materialabträge werden durch Messungen überwacht, dabei geht es teilweise Zehntel-Mikrometer. Die Maschinensteuerung ist gefordert, sie muss sämtliche Honverfahren und Einzelprozesse abbilden können. Eine eigens dafür optimierte Honsteuerung bot der Markt lange Zeit nicht. Die Maschinenhersteller griffen bzw. greifen in der Regel zu einer Standardlösung mit entsprechenden Anpassungen. Eine unbefriedigende Situation, zumal wenn man wie KADIA das Hochpräzisionshonen im Fokus hat. Die Spezialisten aus Nürtingen beschlossen daher, selbst eine Steuerung zu entwickeln: die HMC100 (Honing Machine Control 100). „Wichtig war uns vor allem ein Human Machine Interface (HMI), das die vielseitigen Abläufe beim Honen optimal darstellt“, meint Henning Klein, Geschäftsführer bei KADIA, „alle Maschinenfunktionalitäten sowie alle augenblicklichen Arbeitszustände und Prozessqualitäten sollten grafisch sichtbar sein. Kurz: wir wollten eine Steuerung, welche die bestmögliche Transparenz und Bedienungsfreundlichkeit bietet.“

Dieser Maßgabe sollte auch die Hardware entsprechen. Die Steuerungskonstrukteure entschieden sich daher für ein Bedienpanel mit 19-Zoll-Touchscreen, eine komfortable Größe für grafische Darstellungen. Das Panel ist darüber hinaus voll industrietauglich, d. h. ölbeständig, kratzfest und mit Handschuhen bedienbar. Im Inneren arbeitet ein leistungsfähiger Intel-Core-i5-Prozessor und eine betriebssichere SSD-Festplatte. Die Zahl der Drucktasten für externe Komponenten wurde bewusst auf die wesentlichen Funktionen begrenzt. Das Panel wirkt dadurch aufgeräumt und bedienerfreundlich. Die Eingabe von Texten oder Zahlenwerten erfolgt über eine Popup-Tastatur.

Grafiken zeigen mehr als Zahlenreihen

Die Software bringt schließlich alles, was auf der Maschine geschieht, mit Hilfe von selbsterklärenden Symbolen auf den Bildschirm. Die KADIA Experten entwickelten dafür eine eigene Bildersprache. Bei der Ausarbeitung wirkten Maschinenbediener, Einrichter und Servicetechniker mit. Wichtig war ihnen auch die Nutzerführung: Verschachtelte Navigationsstrukturen wurden genauso vermieden wie lange Klickfolgen. Die Bedienung der Maschine konzentriert sich im Grunde auf zwei Ebenen. „Die HMC100 ist ein zentraler Baustein unserer Smart Dynamic Hontechnologie. Das Motto dieses Konzepts lautet ‚weniger Komplexität, mehr Effizienz‘“, meint Henning Klein. „Die HMC100 setzt dies konsequent um, indem sie eine intuitive Bedienung der Maschine ermöglicht. Wir glauben, damit einen neuen Standard gesetzt zu haben.“ Auch der weniger versierte Bediener lerne seine Anlage damit schneller kennen, Bedienfehler reduzieren sich auf ein Minimum. Die Folge sind weniger Maschinenstillstände, damit eine höhere Wirtschaftlichkeit. Dass mit der HMC100 eine stimmige Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine gelungen ist, bestätigen auch unabhängige Experten. Das Bedienpanel erhielt zwei der wichtigsten Design-Preise: den IF Design Award und den Red Dot Design Award.

Beide Auszeichnungen gehen weit über optische Aspekte hinaus und bewerten ebenso Ergonomie, Innovationsgehalt und Nutzen eines technischen Produkts. Wie KADIA mitteilt, sind inzwischen rund einhundert der Highend-Steuerungen weltweit im Einsatz. Ein Erfolg der verpflichtet: „Wie die Anforderungen unserer Anwender ständig wachsen, werden wir auch den Funktionsumfang der HMC100 ständig weiterentwickeln“, betont Henning Klein. Im vergangenen Jahr sind zwei interessante Erweiterungen hinzugekommen: ein Statistikmodul und eine Scanfunktion für die gesamte Bohrung. Das Statistikmodul liefert die Datenbasis für Prozessanalysen, um z. B. kontinuierliche Verbesserungsprozesse (KVP) voranzutreiben. Das Modul schreibt beispielsweise die Durchmesserwerte von mehreren hundert Werkstücken in eine Regelkarte. Ein Histogramm zeigt die Häufigkeitsverteilung grafisch und numerisch an. Der Bediener hat die Möglichkeit, eine statistische Prozesskontrolle vorzunehmen. Etwaige Schwachstellen im Prozess werden sofort ersichtlich.

Neue Maßstäbe für die Qualitätssicherung

Die Scanfunktion für Bohrungen hievt die Qualitätssicherung auf ein bisher nicht erreichtes Niveau. Mittels Luftmessdorn ist es möglich, eine Vielzahl an Durchmesserwerten pro Messweg aufzunehmen, um von der Steuerung einen kontinuierlichen Messwerteverlauf anzeigen zu lassen. Zum Vergleich: nach bisherigem Standard ist es üblich, drei bis fünf Messebenen heranzuziehen. „Das Scannen der gesamten Bohrung erzielt eine wesentlich höhere Zuverlässigkeit der Messung. Das ist eine Weltneuheit, auf die wir besonders stolz sind“, resümiert Henning Klein.

Quelle und Foto: https://kadia.com/de/